Mit dem Wechsel von Philippe Coutinho zieht Liverpool die richtigen Schlüsse. Allerdings mit fahlem Nachgeschmack für die Verantwortlichen, meint Sven Ziegler.

Nun ist es also passiert. Das Unvermeidbare wurde am Samstag von beiden Vereinen verkündet, Philippe Coutinho wechselt nach Barcelona. Der Spieler selbst hat den Wechsel erzwungen, so viel ist klar.

Nicht alles, was hinter den Kulissen an der Anfield Road geschah, hat den Weg an die Öffentlichkeit gefunden. Klar ist allerdings, dass Coutinho in den vergangenen Wochen immer mehr auf einen Wechsel Richtung Spanien gepocht hat. Nun wird sein Wunsch erfüllt.

Dass der Brasilianer die Reds in Richtung Katalonien verlässt, war nicht mehr zu vermeiden. Bereits im Juli flammten erste Gerüchte auf, wonach Barca ein konkretes Angebot für den Zauberzwerg eingereicht habe. Ingesamt sollen die Spanier im vergangenen Sommer drei Mal ein Angebot eingereicht haben, jedes Mal lehnte Liverpool umgehend ab. Coutinho selbst liess den ganzen Sommer über nie etwas von sich hören.

Währenddessen wurde hinter den Kulissen alles in Bewegung gesetzt, um den Spieler von einem Verbleib an der Mersey zu überzeugen. Klopp selbst äusserte sich kurz nach der Transfermeldung am Samstag und meinte, der Verein und auch die Trainer hätten alles versucht. Ohne Erfolg.

“Ich kann den Fans des Vereins sagen, dass wir alles versucht haben, um Philippe von einem Verbleib beim LFC zu überzeugen. Aber er ist sich einhundert Prozent sicher, was seine Zukunft angeht. Er weiss, dass seine Zukunft und diejenige seiner Familie in Barcelona liegt. Es ist sein Traum und ich bin überzeugt, dass es nichts mehr gibt, womit wir seine Meinung noch ändern können.”

Mit der Freigabe des Spielers hat Liverpool die richtigen Schlüsse gezogen. Langfristig wäre Coutinho nicht mehr zu halten gewesen, der Druck von Seiten des Spielers wäre irgendwann zu gross geworden.

Coutinho selbst verhielt sich nach dem Transferfenster im vergangenen Sommer mehr als professionell. Anders als andere Spieler tauchte der Brasilianer jeden Tag zum Training auf und half seiner Mannschaft, wo er konnte. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten fand der 25-jährige langsam zu gewohnt starker Form zurück.

Der Abgang zum richtigen Zeitpunkt – aber mit fahlem Nachgeschmack für den Verein

Am 30. Dezember 2017 bestritt Coutinho sein letztes Spiel für die Reds. Auch Klopp dürfte klar gewesen sein, dass es der letzte Auftritt seines Schützlings war, denn kurz danach sollte das Transferfenster wieder öffnen.

Zeitgleich mit der Öffnung flammten auch wieder die ersten Gerüchte auf, wonach Coutinho den Druck auf die Vereinsführung verstärkt habe. Beim 2-1 Sieg gegen Burnley am Neujahrstag stand der Mittelfeldspieler nicht mehr im Kader, offiziell wegen einer Krankheit. Auch beim Merseyside-Derby gegen Everton am vergangenen Freitag fehlte der Spieler. Klopp meinte zwar, dass Coutinho für die Partie gegen Manchester City wieder zurückerwartet werde. Doch zu diesem Zeitpunkt war bereits allen klar, dass der Brasilianer im Frühling nicht mehr an der Anfield Road spielen wird.

Liverpool hat grundsätzlich die richtigen Schlüsse aus dem Druck gezogen und den Spieler freigegeben. Doch für Coutinho selbst dürfte es ein Abgang der unrühmlichen Sorte werden. Im kommenden Sommer hätte er den Verein erhobenen Hauptes verlassen können. Stattdessen hat er sich für einen stillen und schnellen Abgang entschieden, eine Geste, die von vielen Fans als Verrat eingestuft werden könnte.

Natürlich überweist Barcelona für Coutinho viel Geld. Rund 160 Millionen Euro sollen an die Anfield Road fliessen. Damit wird der Brasilianer nach seinem Landsmann Neymar der zweitteuerste Transfer aller Zeiten. Und Liverpool füllt die Kassen für weitere Einkäufe.

Dass Coutinho bereits im Winter freigegeben wurde, ist aus meiner Sicht zwar richtig, dennoch hinterlässt es bei den Verantwortlichen einen fahlen Nachgeschmack. Zum einen, weil man dem Spieler nicht den verdienten Abgang ermöglichte. Aus meiner Sicht hat sich der Brasilianer in den vergangenen fünf Jahren nie etwas zu Schulden kommen lassen, sein Verhalten war zu jedem Zeitpunkt tadellos.

Auf der anderen Seite ist es auch kein gutes Zeichen für den Verein. Im vergangenen Sommer hat man sich gegenüber Barcelona noch stark gezeigt und alle Angebote postwendend abgelehnt. Nun ist man eingeknickt und lässt den Spieler ziehen. Coutinho wird wieder zusammen mit Luis Suarez auf dem Rasen stehen, auch er wurde von Liverpool nach Barcelona transferiert. Und auch er übte vor seinem Wechsel gehörig Druck auf die Verantwortlichen an der Road aus.

Ein schlechter Transfer für Liverpool – doch für Barca macht es kaum einen Unterschied

Für Barcelona macht der Transfer nicht wirklich einen grossen Unterschied. Die Katalanen haben den Titel in der Liga praktisch auf sicher, in der Champions League wird Coutinho auf der Tribüne sitzen müssen.

Liverpool dagegen schwächt sich mit dem Transfer gleich mehrfach selbst. Mit Coutinho verlieren die Reds einen ihrer stärksten Spieler in der Offensive. Einer, der für schöne und vor allem wichtige Tore zuständig war. Einer, der die Spiele zu Gunsten der Reds entscheiden konnte. Nun ist dieser Spieler nicht mehr da, und mit ihm schwinden auch die Chancen auf gute Resultate in dieser Saison. Natürlich hat Liverpool mit Mohamed Salah, Roberto Firmino und Sadio Mane weitere Spieler, welche in der Offensive den Unterschied ausmachen können. Doch die Fussstapfen Coutinhos zu füllen, dürfte schwer werden.

Ich persönlich frage mich, was die anderen Stammspieler unseres Vereines denken? Sind sie enttäuscht, dass der Verein Coutinho ziehen lässt? Oder sehen sie gar eine Möglichkeit, in Zukunft selbst einen Wechsel zu einem grösseren Verein zu erzwingen? Sehen uns andere Spieler irgendwann nur noch als ein Sprungbrett für die grössten Vereine der Welt? Das alles sind Fragen, die sich in Zukunft stellen dürften.

Schlussendlich bleibt mir nur noch, Phil ein grosses Dankeschön für seine Zeit an der Anfield Road auszusprechen. Der Brasilianer hat in den vergangenen fünf Jahren alles für den Verein gegeben. Für ihn wird es nun Zeit für den nächsten Schritt – ein Schritt ins Ungewisse.

1 KOMMENTAR

  1. Die Chancen im der CL und im Fa-Cup schwinden mit diesem Abgang leider sehr. Seine Technik, seine Fähigkeit , das Spiel schnell zu machen, sind einmalig!!
    Aber das Kader ist immer noch stark.

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