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In den vergangenen Spielen leisteten sich bei Liverpool die  Jugendmannschaften eine Serie von Niederlagen. Doch das ist normal, meint Sven Ziegler. 

Die Spieler der Liverpool-U23 können von Glück sprechen, dass sie nicht der ersten Mannschaft angehören.

Die vergangenen drei Spiele verlor die zweite Mannschaft der Reds alle mit 0-1. In keiner Partie zeigte das Team eine schlechte Leistung, war sogar meist die dominantere Mannschaft auf dem Feld. Trotzdem gab es am Ende immer null Punkte.

Zum Glück steht die U23 nicht so im Fokus wie die erste Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp. Die Fans würden nach drei Niederlagen in Folge längst lauthals protestieren und analysieren, warum das Team trotz starken Leistungen keine Punkte holt. Doch am Ende gehört die zweite Mannschaft, genau wie die derzeit ebenso erfolglose U18, zum Jugendbereich der Reds.

Diese trainiert abgeschottet von der Öffentlichkeit auf dem eigenen Nachwuchskomplex in Kirkby. Manche der Spiele werden live auf LFCTV, der vereinseigenen TV-Station, gezeigt. Doch insgesamt haben die jungen Spieler ihre Ruhe und können sich zusammen mit ihren Trainern auf die eigentlichen Aufgaben vorbereiten.

Resultate sind im Nachwuchs zweitrangig

Denn Resultate spielen in den Teams von Steven Gerrard und Neil Critchley kaum eine Rolle. Zwar kämpft die U23 in der laufenden Spielzeit um den Titel in der Premier League 2, auch die U18 ist in der U18 Premier League gut mit dabei. Doch wirklich wichtig sind diese Titel am Ende nicht.

Stattdessen soll bei Liverpool die Entwicklung jedes Spielers im Zentrum stehen. Das Ziel im Nachwuchs ist es, möglichst viele Akteure in die erste Mannschaft zu bringen und dort zu Legenden werden zu lassen. Klopp hat die Arbeit zusammen mit der Academy intensiviert und bereits erste Früchte geerntet. Spieler wie Trent Alexander-Arnold oder Ben Woodburn haben den Durchbruch bereits geschafft und kamen zu Einsätzen in der Premier League, im FA Cup oder in der Champions League.

Doch nebst den bekannten Namen warten auch andere, unscheinbarere Spieler auf ihre Chance. Zum Beispiel Herbie Kane, der sich in den vergangenen Monaten als Kapitän der U23 einen Namen machen konnte. Der Mittelfeldspieler gilt als Arbeiter, der sich über 90 Minuten abkämpft und auch vor harten Zweikämpfen nicht zurückschreckt. Seine Pässe in die Spitze sind gefürchtet, auch in der Offensive findet sich der Spieler immer wieder. Kane ist 19 und ausserhalb der Akademie kaum bekannt. Doch Klopp hat ihn längst auf dem Radar.

Auch andere Spieler könnten in den kommenden Jahren den Durchbruch in die erste Mannschaft schaffen. Vielfach genannt wird Rhian Brewster, ein 17-Jähriger Stürmer mit Stammplatz in der U23. Zwar ist der Youngster derzeit ausser Gefecht, seine Saison scheint nach einer schweren Verletzung bereits zu Ende zu sein. Doch bis anhin war Brewster gefürchtet und sorgte in jeder Partie für viel Verkehr vor dem gegnerischen Tor.

Auch im eigenen Tor ist Liverpool für die Zukunft bestens gerüstet. Caoimhin Kelleher, 19 Jahre alt, gilt als grösstes Talent bei den Reds und rettete seine Mannschaft immer wieder. Auch Kamil Grabara muss sich nicht verstecken und zeigte fast durchgehend starke Leistungen zwischen den Pfosten.

Welche Resultate Brewster, Kelleher und Co. einfahren, ist am Ende zweitrangig. Viel wichtiger ist, dass diese Spieler in Zukunft auch den Durchbruch in die erste Mannschaft schaffen und sich vor 54’000 Leuten an der Anfield Road beweisen können.

Niederlagen gehören zur Entwicklung, auch bei Liverpool

Viele Spieler treffen im Bereich der U18 und der U23 zum ersten Mal auf ein professionelles Umfeld. Ihre Spiele werden teilweise live im Fernsehen gezeigt, immer wieder erhalten die Mannschaften die Möglichkeit, in Anfield zu spielen.

Doch das professionelle Umfeld und die professionelle Betreuung durch Legenden wie beispielsweise Gerrard bedeutet nicht automatisch, dass jeder Spieler mit dem Sprung in die U18 gleich zum Vollprofi wird. Fussball ist immer auch eine Entwicklung, welche jeder einzelne Spieler durchlebt. Jeder muss sich an neue Situationen gewöhnen, sich anpassen, neu einstellen und am Ende einen Schritt vorwärts machen.

Doch zu jedem grossen Schritt nach vorne gehören auch kleinere Rückschritte. So zeigte die U18 beim Mini-Derby gegen Everton eine starke Leistung, vor dem Tor jedoch vergaben die Offensivspieler selbst einhundertprozentige Möglichkeiten. Aus solchen Spielen lernen die Spieler und entwickeln sich weiter. Eine solche Niederlage ist deswegen noch lange kein Drama.

Und schliesslich ist da auch noch die häufige Rotation, mit denen die Mannschaften zurecht kommen müssen. Immer wieder erhalten Liverpool-Youngster die Gelegenheit, mit der ersten Mannschaft in Melwood zu trainieren. Auch behält sich Klopp vor, U23-Spieler kurzfristig für ein Spiel der ersten Mannschaft zu nominieren.

Konstanz ist deshalb bei der U18 und der U23 der Reds fehl am Platz. Spieler werden geschont, in einer anderen Mannschaft eingesetzt oder zu einem anderen Verein ausgeliehen, um Spielerfahrung zu sammeln.

In den Spielen der U23 sorgt dies beispielsweise dafür, dass meistens nur drei oder vier Spieler in zwei aufeinanderfolgenden Partien in der Startaufstellung stehen. Sieben bis acht Wechsel zwischen zwei Spielen sind keine Seltenheit, eine eingespielte Mannschaft gibt es nicht.

Die aktuellen Resultate der Jugendmannschaften sind damit keine Überraschung noch sollten sie in irgendeiner Art besorgniserregend wirken. Vielmehr sind sie das Resultat einer langsam voranschreitenden Entwicklung verschiedener Spieler, welche am Ende alle nur ein Ziel haben: In einigen Jahren an der Anfield Road zu spielen.

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